Farlan Faber - Autor
  • Home
  • News
  • Die Geschichten
  • Die Bücher
  • Der Autor
Mai 22, 2026 von Farlan_Admin

Komplikationen im Geschäftsbetrieb

Komplikationen im Geschäftsbetrieb
Mai 22, 2026 von Farlan_Admin

Ich habe mich immer gefragt, warum die Milliardäre, die viel Geld in die Raumfahrt stecken, so selten selbst mit ihren Raketen reisen. Misstrauen? Feigheit? Oder Angst vor etwas anderem, das ihre Geschäfte ins Wanken bringen könnte?

Komplikationen im Geschäftsbetrieb

Von Farlan Faber


»Ich soll zum Mond?« Jewgeni Wilcox war erstaunt und gab sich Mühe, es seinem Vorgesetzten nicht zu zeigen.
»Es geht um eine Lieferung Informationen. Eine delikate Angelegenheit, für die ich einen loyalen Mann brauche.«
Jemanden, der die Drecksarbeit macht und, falls was schiefgeht, die Schuld auf sich nimmt, übersetzte Jewgeni den Satz des Director-of-Operations, schwieg darüber und versuchte, einen ergebenen Blick aufzusetzen.
»Was gibt es denn auf dem Mond, das für V-BiMi nötig ist?«
Das Gesicht des Director-of-Operations verfinsterte sich. Er beugte sich vor und richtete seinen Finger auf Jewgeni. »Sie waren in Urlaub, daher können Sie es nicht wissen. Der Name wurde letzte Woche, mit sofortiger Wirkung, in YaMi geändert.« Seine Augen wurden schmal und der Mund formte ein unfreundliches Raubtierlächeln. »Und Sie lesen Ihre dienstlichen Memos in der Freizeit nicht. Das dürfen wir nicht anordnen, aber in der Management-Ebene wird das erwartet.«
Fuck, dachte Jewgeni, das wollte er gerade tun, als er zu diesem Briefing gerufen wurde.
»Wofür steht YaMi?«, fragte er, um vom Thema abzulenken.
»Für Yet-another-Mine. Die C-Ebene war der Meinung das der alte Name die Größe und eventuelle Auswirkungen des Projekts überbetont.«
Natürlich! Die Bezeichnung Very-big-Mine für ein zweihundert Kilometer breites Loch im afrikanischen Boden, wo tausend Meter lange Bagger arbeiten, ist total übertrieben. Business-Sprech ist immer wieder faszinierend, dachte Jewgeni und überlegte, wie er das Nichtlesen seiner Nachrichten begründen sollte.
»Es geht um spezielle Abbautechnik, die auf dem Mond für den Bergbau im Jupitersystem entwickelt und hergestellt wird. Die sind deutlich effektiver, als das, was wir bisher einsetzen. Allerdings müssen wir gewisse Vorschriften zum Arbeits- und Umweltschutz – großzügig auslegen.«
Ignorieren, übersetzte Jewgeni.
»YaMi liegt hinter den Erwartungen der Geschäftsführung zurück. Dabei ist schon sehr viel Geld in dieses Projekt und die lokalen Regierungen für die Realisierung gesteckt worden. Die Ausbeute muss unbedingt erhöht werden, ohne dass Lizenzkosten zu hoch ansteigen.«
Das war der Satz, auf den Jewgeni gewartet hatte. Er sollte auf dem Mond spionieren und Technologie stehlen, die auf der Erde verboten war. Die westafrikanischen Regierungen waren bereits gut geschmiert worden, darüber hinwegzusehen.
Harter Tobak. Dafür sollte ein Posten im oberen Management herausspringen.
»Ein Erfolg wäre Ihrer Karriere sehr zuträglich Senior-Associate Wilcox.« Der DOO sah ihn auffordernd an und verschränkte die Hände. »Mehr Gehalt, eine Wohnung oberhalb der Wolkendecke.«
Jetzt hatte er Jewgeni am Haken. Zwar hatte er im Megapol Neu-London ein Apartment mit Aussicht, sah aber meistens nur grauen Nebel. In den Etagen, die dem oberen Management vorbehalten waren, schien immer die Sonne.
»Sie können auf mich zählen, Director-of-Operations.«
»Das habe ich erwartet.« Seine Augen waren immer noch schmal. »Sie fliegen mit dem nächsten Direktflug nach Port-Luna-12. Dort treffen Sie ihren Kontaktmann. Und tun Sie sich einen Gefallen: wenn sie im Shuttle unterwegs sind. Schauen Sie nicht raus.«

Schauen Sie nicht raus. Lächerlich! Alle Fenster des Transatmospheric-Vehicles waren mit Folien beklebt. Jewgeni war zwei Tage lang in einer Röhre mit Sitzen eingepfercht, ohne irgendetwas anderes zu sehen als seine hässlichen Mitreisenden und ein paar Frachtcontainer. Das Gefühl, zu fallen, brachte ihn um den Schlaf, und ständig lag ein säuerlicher Geruch in der Luft, weil einigen die Schwerelosigkeit auf die Verdauung schlug. Herrenlose Kotztüten schwebten herum, die von unsichtbaren Flugbegleitern nicht eingesammelt wurden. Jevgenis Magen war ebenfalls mit der Situation unglücklich, weshalb er den Matsch aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Vitaminen, den es zu Essen gab, ablehnte und sich ausschließlich von Tomatensaft ernährte.
Auf dem Mond angekommen, schlief er vierzehn Stunden am Stück. Er hatte keine Eile. Das nächste Shuttle zur Erde flog in einer Woche und in drei Tagen sollte er seinen Kontaktmann treffen.
Port-Luna-12 war ein Umschlaghafen für Fracht. Riesige Hallen, in denen empfindliche Waren lagerten und noch größere Lagerflächen draußen im Vakuum.
Der Blick hinaus war langweiliger, als Jewgeni gedacht hatte: Ein paar gezackte Felsen, ein naher Horizont und viel Staub. Nicht einmal Sterne sah man. Es war heller Tag auf dem Mond und der dauert vier Wochen, also keine Chance, welche zu sehen. Auch die geringe Schwerkraft setzte ihm zu. Ein zu forscher Schritt und man war auf dem Weg zur Decke. Erst am zweiten Tag verriet ihm eine mitleidige Sanitäterin, dass alle Mitarbeitenden Gewichtswesten trugen, um diese Deckenkollisionen zu vermeiden.
In einem selten genutzten Lagerbereich traf er endlich seinen Kontaktmann – der eine Frau war.
»Aristoteles hat nie den Mond besucht, obwohl er hier einen Krater hat«, raunte sie, als sie – fast zwei Stunden zu spät – am Treffpunkt ankam.
»Vielen Leuten gehören irgendwelche Löcher, obwohl sie nie dort waren«, antwortete Jewgeni. Sie standen sich schweigend gegenüber. Durch die Außentür einer Schleuse fiel grelles Sonnenlicht und schickte lange Schatten auf die Reihen von Kisten.
Sie war dünn. Ihre Gewichtsweste, mit den Abzeichen der Ingenieure, hing schlaff von den Schultern, das Gesicht war nicht zu erkennen.
»Warum so eilig?«, brach sie das Schweigen. »Man sagte mir, dass die Übergabe auf jeden Fall vor Erdaufgang passieren soll. Und wer denkt sich diese dämlichen Codes eigentlich aus?«
Jewgeni hob die Schultern. »Ich habe keine Ahnung. Irgendwelche Eierköpfe im obersten Management«, antwortete er knapp. Er musste vorsichtig sein. Sollte das eine Falle sein, durfte er nicht zu viel sagen.
Sie zog einen Speicherstift hervor. »Hier sind Ihre Daten. Ich lasse sie hier liegen und werde gehen. Sie können ihn nehmen oder sich erst umsehen, ob ich Ihnen eine Falle gestellt habe. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Der Bedarf an Windeln, die hier lagern, ist gering. Deshalb kommt hier niemand her.«
Sie ließ den Stift fallen, drehte sich um und ging.
Jewgeni wartete einige Minuten. Dann sah er sich nach Kameras oder Mikrofonen um. Er schlenderte bis zum Ausgang, um zu sehen, ob dort jemand lauerte. Während er zur Schleuse zurückkehrte, um den Stift zu holen erwog er, ihn zu schlucken, jedoch verwarf er den Gedanken wieder. Sollte er geschnappt werden, würde man ihn durchleuchten und dann musste er erklären, weshalb er gerne Speicherstifte frühstückte. Außerdem wusste er nicht, auf welche Weise sie den Stift hergeschmuggelt hatte.
Als er sich nach ihm bückte, erschrak er. Das Licht veränderte sich, bekam plötzlich einen Blaustich. Er starrte zu den Fenstern des Schleusentores. Eine blaue Halbkugel war über den Felsen aufgegangen – die Erde. Jewgeni vergaß den Stick und betrat die Schleusenkammer, um besser sehen zu können. Eingebettet in das schwärzeste Schwarz lag sein Heimatplanet wie ein Juwel im Samt. Er schluckte, als ihm klar wurde, das er 300 000 Kilometer von zuhause weit weg war und nur dünne Wände ihn vor dem Tod bewahrten. Angst überfiel ihn. Er schnappte den Stift und floh aus dem Lager, so schnell er konnte.
Jewgeni verbrachte die nächsten Tage in seiner engen Schlafkammer. Nicht weil es schön war, sondern weil er wusste, dass die Schlafbereiche von mindestens drei luftdichten Wänden umgeben waren. Er fürchtete, jeden Moment könnte ein Vakuumeinbruch stattfinden. Ganze Blocks der Mondstation würden schlagartig luftleer werden. Alle, die sich ungeschützt dort befanden, wären binnen vier Minuten ohnmächtig und nach zwölf Minuten tot, wenn sie nicht schon vorher ihre Lunge, beim Versuch die Luft anzuhalten, ausgekotzt hatten. Raumfahrt war Selbstmord! Warum gingen Menschen freiwillig solche Risiken ein? Für so einen Hungerlohn? Bei diesen Gedanken zog er sich die Decke dichter über den Kopf, als ob sie eine weitere luftdichte Schicht wäre. Jetzt wusste er, warum der DOO ihm geraten hatte, nicht hinaus zu sehen.

Der Rückflug war eine Freude. Es ging nach Hause, in die Sicherheit eines Planeten, mit einer anständigen Atmosphäre. Jewgeni war in Hochstimmung und genoss sogar die Schwerelosigkeit. Das Gefühl zu fallen ängstigte ihn nicht mehr so stark, wie beim Hinflug und er probierte Salti und Überschläge. Trotzdem dachte er oft an die blaue Kugel, die er durch die Schleuse des Windellagers gesehen hatte. Dieser Hafen der Sicherheit, inmitten des lebensfeindlichsten Weltraums. Er wollte sie noch mal von oben sehen, bevor er sie niemals wieder verlassen würde.
Kurz nach der Triebwerkszündung zum Eintritt in die Erdumlaufbahn bot sich ihm die Gelegenheit. Einer der unsichtbaren Flugbegleiter hatte die Tür zum Crew-Bereich offengelassen. Jewgeni lugte hinein. Es war niemand zu sehen. Wahrscheinlich hielten alle vor dem De-orbiting ein Schläfchen. Er sah Reflexionen von Glas und schwebte hin. Es war tatsächlich ein Fenster, durch das Millionen Sterne leuchteten. Viel mehr, als von jedem Ort der Erde, den er je besucht hatte. Sie glitzerten in allen Farben und ballten sie sich zu Nebeln und Haufen. Dazwischen Flecken von absoluter Schwärze. Ein großer Streifen davon lag am Rand des Fensters. Das musste die Erde sein. Enttäuschung erfasste Jewgeni. Ausgerechnet über der Nachtseite hatte er Aussicht! Er sah genauer hin und erspähte einige Lichter auf der Oberfläche, funkelnde Flecken, umgeben von einem Gespinst glitzernder Fäden. Inseln?
Ein gelber Punkt leuchtete an der Trennlinie zwischen Sternen und Erdoberfläche auf. Ein blauer Streifen breitete sich nach beiden Seiten aus – Sonnenaufgang!
Jewgeni vergaß zu atmen. Der Fleck wurde größer und heller. Unter der blauen Linie erschien ein wolkenüberzogenes Meer. Jetzt tauchten Inseln und eine Küste aus der Dunkelheit auf: Westafrika! Jewgeni freute sich, wie ein Schuljunge im Erdkundeunterricht. Er erkannte die hellbraune Sahara und wunderte sich über die grau-schwarzen Schleier, die auf ihr lagen. Die dünne blaue Linie thronte darüber. Jewgeni erschrak, als er merkte, dass dieses Häutchen, die Atmosphäre war – alles, was das Leben auf der Erde vor dem Tod im Vakuum schützte. Zwölftausend Kilometer Planetendurchmesser und darüber keine hundert Kilometer Luft!
Jetzt ging die Sonne über dem Regenwald auf. Dessen Grün war blass und die Schleier, die Jewgeni schon bei der Sahara gesehen hatte, waren auch hier. Eine Vorahnung überfiel ihn und sein Mund wurde trocken. Die Schwaden wurden dichter und jetzt kam ihr Ursprung in Sicht: Ein zweihundert Kilometer durchmessendes Loch im afrikanischen Boden. Unwillkürlich tastete er nach dem Speicherstift. Die blaue Linie hatte graue Flecken bekommen. Er verschluckte sich, hustete und floh zurück in das fensterlose Passagierabteil.

Es regnete, als Jewgeni in einem Wartehäuschen am Busbahnhof des Flughafens saß.
Schauen Sie nicht hinaus.
Jetzt wusste er tatsächlich, warum der DOO ihm das geraten hatte. Er dachte an seine Wohnung, die er wohl bald räumen würde. Er war nicht traurig darüber. Bus um Bus fuhr vorbei und Jewgeni freute sich diebisch, dass der Speicherstift, den er auf die Straße geworfen hatte, mit jedem Fahrzeug zu kleineren Bruchstücken zermahlen wurde.

Vorheriger BeitragDie Ewigkeit, der Pilger, der Aschenbecher: ... und wer ist dieser Ockham?

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neueste Beiträge

Komplikationen im GeschäftsbetriebMai 22, 2026
Die Ewigkeit, der Pilger, der Aschenbecher: … und wer ist dieser Ockham?Mai 7, 2026
Science-Fiction – Warum eigentlich?April 7, 2025

Kategorien

  • Die Geschichten
  • Heutzutage
  • News
  • Science Fiction

Schlagwörter

Kopfgeldjäger Möbel Pilger Restaurant science-fiction Victor-Z

Neueste Beiträge

Komplikationen im GeschäftsbetriebMai 22, 2026
Die Ewigkeit, der Pilger, der Aschenbecher: … und wer ist dieser Ockham?Mai 7, 2026
Science-Fiction – Warum eigentlich?April 7, 2025

Kategorien

  • Die Geschichten
  • Heutzutage
  • News
  • Science Fiction

Impressum/Datenschutz

  • Impressum
  • Cookie-Richtlinie (EU)

Neueste Beiträge

Komplikationen im GeschäftsbetriebMai 22, 2026
Die Ewigkeit, der Pilger, der Aschenbecher: … und wer ist dieser Ockham?Mai 7, 2026
Science-Fiction – Warum eigentlich?April 7, 2025

Kategorien

  • Die Geschichten
  • Heutzutage
  • News
  • Science Fiction
Cookie-Zustimmung verwalten
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
  • Optionen verwalten
  • Dienste verwalten
  • Verwalten von {vendor_count}-Lieferanten
  • Lese mehr über diese Zwecke
Einstellungen ansehen
  • {title}
  • {title}
  • {title}